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Montessori Tages- und Wochenpläne: Orientierung für euren Familienalltag

Sarah Kolodziej | Pädagogin & Montessori Mama
Von Sarah Kolodziej | Pädagogin & Montessori Mama 16. Dezember 2025 • Aktualisiert: 16. Dezember 2025 ca. 8 Minuten
Montessori Tages- und Wochenpläne: Orientierung für euren Familienalltag

Stell dir vor, dein Kind steht morgens auf, schaut auf euren Wochenplan an der Wand und sagt stolz: „Heute ist unser Waldtag!“. Dieser Moment bringt dich zum Lächeln, weil du weißt: Dein Kind fühlt sich sicher. Es weiß, was kommt – und darf gleichzeitig selbst mitgestalten. Genau das ist die Idee hinter einem Montessori-Tages- und Wochenplan: Kinder erleben ihren Alltag nicht als etwas, das für sie organisiert wurde, sondern als etwas, das ihnen gehört und auf das sie Einfluss nehmen dürfen.

Im Trubel des Alltags – zwischen Arbeit, Haushalt und Familienleben – hilft eine klare Struktur nicht nur dir, sondern vor allem deinem Kind. Sie schafft Orientierung, Vertrauen, schenkt Sicherheit und Ruhe. Und wenn diese Struktur mit Montessori-Gedanken verbunden ist – mit Selbstbestimmung, Mitgestaltung und Achtsamkeit – entsteht daraus etwas ganz Wertvolles: Ein Alltag, der bei jedem Familienmitglied Anklang findet.

In diesem Beitrag erfährst du, wie ein Montessori-Tages- und Wochenplan wirkt, welche Vorteile er mit sich bringt und auf was du bei der Gestaltung achten solltest. Am Ende wartet außerdem eine PDF-Vorlage auf dich, damit du direkt gemeinsam mit deinem Kind starten kannst.

Inhaltsverzeichnis

Warum ein Plan nach Montessori so wertvoll ist

Maria Montessori beobachtete immer wieder, dass Kinder aus einem tiefen inneren Antrieb heraus lernen. Sie wollen verstehen, ausprobieren und sich mit der Welt verbinden. Damit diese innere Motivation wachsen kann, brauchen Kinder eine Umgebung, die ihnen Orientierung gibt, ohne sie einzuengen. Genau hier wird Struktur so wertvoll.

Kinder fühlen sich sicher, wenn sie wissen, was auf sie zukommt. Wiederkehrende Abläufe, vertraute Rituale und eine klar erkennbare Reihenfolge helfen ihnen, den Tag einzuordnen und Übergänge leichter zu bewältigen. Ein Montessori-Tages- oder Wochenplan schafft deshalb nicht starre Vorgaben, sondern einen verlässlichen Rahmen, in dem dein Kind sich mutig und frei bewegen kann.

Ein liebevoll gestalteter Plan unterstützt dein Kind dabei:

  • den Tag und die Woche zu begreifen,
  • sich auf Übergänge vorzubereiten,
  • Verantwortung für kleine Aufgaben zu übernehmen und
  • den Rhythmus von Zeit und Wiederkehr zu entdecken.

Du schenkst deinem Kind damit Orientierung und Vertrauen zugleich – und baust damit ein Fundament für echtes, selbstbestimmtes Lernen.

Den Tag sichtbar machen

Kinder erleben Zeit anders als wir Erwachsene. Für sie ist die Gegenwart viel präsenter, die Zukunft dagegen noch sehr vage. Ein Montessori-Tagesplan hilft, diesen abstrakten Zeitbegriff greifbar zu machen. Er begleitet dein Kind durch den Tag – mit festen Ritualen, aber auch Freiräumen dazwischen.

Gestaltungsideen

Nutze Symbole oder Bilder, die dein Kind leicht erkennt: Sonne für Morgen, Besteck für Essen, Bett für Schlafen. Wähle feste Farben für bestimmte Tageszeiten, z. B. Gelb für Vormittag, Blau für Abend. Hänge den Plan auf Augenhöhe deines Kindes auf. So kann es ihn selbstbestimmt nutzen. Lass dein Kind mitgestalten: Es kann Symbole malen, ausschneiden oder aufkleben und ihr könnt gemeinsam planen, wie euer Tag aussehen soll. So wird der Plan nicht zu einer starren Anweisung, sondern zu einem gemeinsamen Begleiter, den dein Kind wirklich versteht. Achte darauf, den Tagesplan nicht zu überladen. Je nach Alter reichen erst einmal grobe Orientierungspunkte für den Tag. Für die Morgen- und die Abendroutine kannst du im Badezimmer ergänzend einen kleinen Plan anbringen.

Beispiel eines Tagesplans

So könnte ein Tagesplan in etwa aussehen:

  • Morgenroutine: Aufstehen, Anziehen, Frühstück, Zähne putzen, Blick auf den Plan.
  • Freispiel: Dein Kind darf selbst entscheiden, was es machen möchte.
  • Geplante Aktivität: z. B. ein Spaziergang, ein Bastelprojekt oder gemeinsames Kochen.
  • MittagGemeinsames Essen mit anschließender Ruhezeit.
  • Unternehmung: z. B. ein Besuch, ein Spielplatzbesuch oder Zeit in der Natur.
  • Abendroutine: Abendessen, Umziehen, Zähne putzen, Vorlesen, Schlafenszeit.

 

Vom Tag zur Woche – das größere Ganze

Ein Wochenplan hilft deinem Kind, die Zeit in größeren Schritten zu begreifen. Kinder erleben Zeit vor allem über Wiederkehr. Sie gibt ihnen Orientierung und schenkt Vertrauen. Wenn bestimmte Tage feste Rituale tragen, entsteht ein Gefühl von Verlässlichkeit:

  • „Dienstags ist unser Waldtag“.
  • „Jeden Freitag backen wir gemeinsam“.
  • „Sonntags fahren wir immer zu Oma und Opa“.

Solche kleinen Konstanten machen die Woche für dein Kind überschaubar. Es weiß, was kommt, kann sich darauf einstellen und fühlt sich sicher eingebettet in den Rhythmus eurer Familie. Gleichzeitig lernt dein Kind, dass Zeit sich in Abschnitte gliedert: Ein Montag folgt auf einen Sonntag, eine Woche hat einen Anfang und ein Ende und manche Dinge gehören einfach zu bestimmten Tagen. Ein Wochenplan ist deshalb nicht nur eine Übersicht, sondern ein liebevoller Anker, der Zeit greifbar macht.

Beispiel eines Wochenplans

So könnte ein Montessori-Wochenplan gestaltet sein:

Tag

Besonderes Element des Tages

Montag

Bücherregal neu sortieren, malen

Dienstag

Spaziergang oder Naturtag

Mittwoch

Gemeinsames Kochen

Donnerstag

Musizieren oder Tanzen

Freitag

Aufräumritual, Wochenabschluss

Samstag

Familienausflug oder freies Projekt

Sonntag

Ruhetag, gemütlicher Start


💡 Wichtig: Der Plan ist keine starre Liste. Er soll zu euch passen und darf sich im Laufe der Zeit deshalb auch den sich verändernden Bedürfnissen eurer Familie anpassen. Sollte sich etwas verändern, gestalte ihn unbedingt gemeinsam mit deinem Kind um, damit es sich gesehen, beteiligt und sicher fühlt.

Tipps für den Wochenplan

  • Nutze Farben oder Symbole, z. B. Sonne, Baum, Herz, Haus. Sie machen den Plan für dein Kind anschaulicher und leichter verständlich.
  • Ergänze eine kleine Reflexionsspalte mit Smileys. So kann dein Kind auf dem Plan markieren: „Das war schön“ oder „Das hat mir nicht gefallen“.
  • Hänge den Plan direkt neben den Tagesplan. So kann dein Kind die Verbindung leichter herstellen.
  • Führe ein kleines Wochenritual ein, z. B. jeden Sonntag den neuen Wochenplan gemeinsam vorbereiten.

Wie kann ich den Plan am Besten in den Alltag integrieren?

Schafft feste Zeiten, in denen ihr den Plan gemeinsam nutzt, beispielsweise jeden Morgen gemeinsam anschauen, was am Tag ansteht und jeden Sonntag gemeinsam planen für die kommende Woche. So wird er Teil eurer Routinen.

Zeit begreifen mit dem Montessori-Kalender

Ein Kalender ist in der Montessori-Pädagogik weit mehr als ein Zählwerk. Er macht Zeit sichtbar und lebendig. Dein Kind sieht nicht nur, welcher Tag heute ist, sondern spürt, wie Tage, Wochen und Monate ineinandergreifen – wie die Zeit fließt.

Jahreszeiten erleben

Ein Montessori-Kalender ist häufig kreisförmig aufgebaut und zeigt die vier Jahreszeiten in unterschiedlichen Farben. Frühling, Sommer, Herbst, Winter – jede Phase bekommt ihren Platz, und dein Kind darf den Jahreskreis miterleben. Du kannst den Kalender mit Symbolen ergänzen, beispielsweise:

  • eine Blume für den Frühling
  • eine Sonne für den Sommer
  • ein Blatt für den Herbst
  • eine Schneeflocke für den Winter

So begreift dein Kind: Die Natur verändert sich, aber sie folgt einem wiederkehrenden Rhythmus.

Verbindung zum Tages- und Wochenplan, so nutzt ihr den Kalender gemeinsam

  • Markiere am Wochenplan, in welcher Jahreszeit ihr euch befindet.
  • Gestaltet gemeinsam einen kleinen „Jahreszeitenplatz“ im Kinderzimmer – mit aktuellen Naturmaterialien, passenden Büchern, Bildern, Postkarten oder anderem Elementen.
  • Nutzt den Kalender morgens, um zu zeigen: „Heute ist Mittwoch, im Monat November, im Herbst“.
  • Zeige durch passende Symbole, wie das aktuelle Wetter ist. Dies ist für dein Kind außerdem eine gute Entscheidungshilfe beim Anziehen.

So wächst ein tiefes Verständnis für Zeit, Rhythmus und Natur – etwas, das Kinder nicht über Worte, sondern über tägliche Erfahrung am besten lernen. 

Tipps für den Alltag

Manchmal reichen schon kleine Anpassungen, damit ein Plan wirklich im Familienalltag ankommt. Diese Anregungen können euch dabei unterstützen, den Tages- und Wochenplan zu einem festen, selbstverständlichen Bestandteil eures Alltags zu machen:

  • Klein anfangen: Führe nicht alles auf einmal ein. Starte mit einem einfachen Tagesplan und ergänze erst nach und nach den Wochenplan oder den Kalender.
  • Weniger ist mehr: Überfordere dein Kind nicht mit zu vielen Symbolen oder Aufgaben. Der Plan muss nicht euren Tag detailgetreu wiedergeben, sondern soll eine grobe Orientierung bieten.
  • Rituale schaffen: Schaut beispielsweise jeden Morgen gemeinsam auf den Plan und setzt euch sonntags zusammen, um die kommende Woche zu planen.
  • Mitgestalten lassen: Je mehr dein Kind mitbestimmen darf, desto stärker fühlt es sich eingebunden und desto leichter wird es ihm fallen, sich am Plan zu orientieren.
  • Freiraum lassen: Pläne sind Orientierung, kein Muss. Auch spontane Änderungen gehören dazu. Wichtig: Bleib dabei möglichst mit deinem Kind im Austausch.

Wenn du euren Plan als lebendiges Werkzeug verstehst, das mit eurem Alltag wächst, sich verändert und weiterentwickelt, wird er nicht zur Pflicht, sondern zu einer echten Unterstützung für die ganze Familie.

Fazit

Ein Tages- und Wochenplan nach Montessori ist keine starrer Ablauf, an den ihr euch halten müsst, sondern eine flexible Orientierungshilfe, die euren Alltag leichter und überschaubarer macht. Er schenkt deinem Kind Sicherheit, stärkt sein Selbstvertrauen und lädt es ein, aktiv an seinem eigenen Alltag mitzuwirken. Gleichzeitig entsteht für dich als Elternteil mehr Ruhe, weil Abläufe sichtbarer werden und ihr gemeinsam einen Rhythmus entwickelt, der für euch funktioniert.

Das Schöne daran: Du musst nicht alles perfekt machen oder sofort einen perfekten Plan erstellen. Fang klein an, probiere aus, beobachte und gestalte den Plan so, wie er zu euch passt. Er darf wachsen, sich verändern und sich immer wieder neu an euren Familienalltag anlehnen. So wie sich eure Familienbedürfnisse weiterentwickeln, darf es auch euer Tages- und Wochenplan. Euer Plan soll Spaß machen, Leichtigkeit in eure Familie bringen – und sich nicht wie eine Verpflichtung anfühlen, die schwerfällt.

Wenn du direkt loslegen möchtest, findest du hier eine PDF-Vorlage zum Download, die du gemeinsam mit deinem Kind gestalten kannst – als sanften Einstieg in euren eigenen, ganz individuellen Montessori-Alltag.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ab wann ist ein Montessori-Tages- oder Wochenplan sinnvoll?

Schon ab etwa 1,5 Jahren, also sobald dein Kind Abläufe und Strukturen zu verstehen beginnt. Wiederkehrende Rituale sind allerdings schon für Babys wichtig.

Worauf muss ich bei der Gestaltung des Plans achten?

Wichtig ist, dass der Plan visuell und leicht verständlich gestaltet ist. Kleine Kinder brauchen Bilder statt Worte.

Wie viel Struktur ist gut für Kinder?

Das kann von Kind zu Kind sehr individuell sein. Manche Kinder brauchen etwas mehr Struktur als andere. Wichtig ist: So viel Struktur, dass sie Sicherheit gibt, aber genug Freiheit lässt, um selbst Entscheidungen treffen zu können.

Was, wenn mein Kind sich nicht an den Plan halten möchte?

Schau einmal genau hin: Was könnte die Ursache sein? Durfte dein Kind den Plan vielleicht nicht ausreichend mitgestalten? Ist er zu eng getaktet und überfordernd? Bietet er nicht ausreichend Freiräume? Versteht dein Kind den Plan nicht, weil er nicht kindgerecht genug gestaltet ist?

Braucht jedes Kind einen Kalender?

Nein, nicht zwingend, aber viele Kinder profitieren davon. Er hilft ihnen, Zeit zu begreifen und Jahresrhythmen zu verstehen und schenkt außerdem Sicherheit und Verlässlichkeit.

Über die Autorin

Sarah Kolodziej | Pädagogin & Montessori Mama

Sarah Kolodziej | Pädagogin & Montessori Mama

Sarah ist ausgebildete Erzieherin, angehende Sozialpädagogin und Mama eines Kleinkindes. Die Montessori-Pädagogik begleitet sie seit vielen Jahren – in ihrer Arbeit mit Kindern wie auch im Familienalltag. Was sie daran besonders schätzt: Kindern mit echtem Vertrauen zu begegnen, ihnen Zeit zu lassen und Räume zu schaffen, in denen sie sich selbstbestimmt entfalten können. Mehr erfahren

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